Salesianische Pädagogik

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12 Thesen zu einer salesianischen Pädagogik (Nach P. H. Winklehner)

These 1: Salesianische Pädagogik gründet in der Gottesliebe und zielt darauf hin

Jede Pädagogik, die sich Franz von Sales zum Vorbild nimmt, hat dieses Grundprinzip zu bedenken: Gott ist die Liebe, diese Liebe ist unser Fundament und unser Ziel. Ganz wichtig gerade für die Erziehung ist, dass damit dem Menschen keine Lasten und Bürden aufgelegt werden, dass es nicht um einen Tyrannengott geht, der mit dem Menschen seine Machtspiele treibt, sondern dieses Fundament und dieses Ziel deshalb besteht, weil es das Beste für den Menschen ist, weil es „Leben in Fülle“ (Joh 10,10) bedeutet. Es geht also nicht um das „Du musst“ und „Du sollst“ und „Du darfst“, sondern um das Ja zu einem Gott, der mich liebt, so als wäre ich der einzige Mensch auf der Welt.

These 2: Salesianische Pädagogik ist eine Pädagogik der Erfurcht vor dem Geschöpf Gottes und der Achtung vor der sich entwickelnden Persönlichkeit

Salesianische Pädagogik ist also eine Pädagogik, die auf der uneingeschränkten Ehrfurcht vor dem Wert eines jeden Menschen gründet und die darauf achtet, dass sich der Mensch zu jener Persönlichkeit entwickelt, die Gott für ihn ausersehen hat. Der salesianische Pädagoge ist sich im Angesicht jedes Kindes, das vor ihm steht, bewusst, das er ein Geschöpf Gottes vor sich hat, dass von diesem Gott in einzigartiger Weise geliebt ist, und er daher kein Recht hat, irgend jemandem diese Würde und diesen Wert abzusprechen.

These 3: Salesianische Pädagogik beginnt mit Selbsterziehung und braucht ein Regel- und Wertekonzept

Salesianische Pädagogik beginnt also bei sich selbst. Der salesianische Pädagoge wird sich darum bemühen, nach einem bestimmten Wertekonzept zu leben und er ist sich bewusst, dass ein wesentliches Ziel seiner erzieherischen Tätigkeit darin besteht, den Kindern, die ihm anvertraut sind, ebenso ein Wertekonzept zu vermitteln, auf das sie bauen können, und ihnen helfen, daraus Lebensregeln zu schaffen, um ihr Leben in die richtigen Bahnen zu lenken. Optimal wäre es natürlich, wenn der salesianische Pädagoge für die Kinder auch ein „geistlicher Lebens-Begleiter“ wird, der den Kindern hilft, für sich eine Lebensregel aufzubauen.

These 4: Salesianische Pädagogik ist Herzenspädagogik

Salesianische Pädagogik ist also von Grund auf eine „Herzenspädagogik“. Das heißt: Sie beginnt mit dem Herzen des Menschen. Sie zielt auf das Innerste im Menschen, um ihn von dort aus zu erziehen und zu formen. Nicht das Äußere gibt den Ausschlag für das pädagogische Handeln, sondern die Seele des Einzelnen. Wer sich dieser „Herzenspädagogik“ bewusst ist, der wird selbst die ihm anvertrauten Menschen aus seinem eigenen Herzen heraus betrachten.

These 5: Salesianische Pädagogik sieht zuerst das Positive, das Gute im Menschen

Der salesianische Pädagoge setzt all dies in die Praxis um, indem er schwierigen Kindern gegenüber besondere Aufmerksamkeit widmet, ja in dem er jenen Menschen Wege zu Bildung und Erziehung eröffnet, denen diese Wege im sonstigen Umfeld versperrt bleiben. Dies geschieht deshalb, weil der salesianische Pädagoge vor allem den guten Kern des Menschen als von Gott geliebtes Geschöpf sieht ... egal wie verwahrlost, schwierig, schlimm dieser ist.

These 6: Salesianische Pädagogik entdeckt die Spuren Gottes im Alltag

Der salesianische Pädagoge ist sich dieser allumfassenden göttlichen Gegenwart bewusst. Er wird also all sein Tun als ein Tun in Gottes Gegenwart verstehen. Er wird besonders darauf achten, die Spuren Gottes im Alltag zusammen mit den ihm anvertrauten Kindern zu entdecken. Ob Lernen oder Spielen, Erziehen oder Feste feiern, Unterrichten oder die Vorbereitung darauf, alles wird er als ein Tun in Gott betrachten.

These 7: Salesianische Pädagogik geht den Weg der kleinen Schritte

Salesianische Pädagogik ist also eine Pädagogik der kleinen Schritte, eine Pädagogik der kleinen Tugenden, eine Pädagogik des Alltags. Der salesianische Pädagoge sieht auf die Kleinigkeiten und bemüht sich, die Kinder auf diese Kleinigkeiten aufmerksam zu machen und sie anzuspornen, diese kleinen Schritte zu gehen, natürlich nicht ohne das große Ziel, die Vollkommenheit in Gott, aus dem Auge zu verlieren.

These 8: Salesianische Pädagogik glaubt an die Zukunft des Menschen

Der salesianische Pädagoge ist sich bewusst, dass er mit seiner Arbeit teilnimmt an der Vollendung des göttlichen Planes, der auf der Liebe Gottes gründet. Außerdem wird salesianische Pädagogik den Menschen darauf hinweisen, dass jeder Mensch seine persönliche Antwort auf dieses Wohlwollen Gottes geben soll, nicht damit es Gott besser geht, sondern weil es den Menschen selbst glücklich macht.

These 9: Salesianische Pädagogik ist eine Pädagogik der Liebe und Freiheit und nicht des Zwanges

Der salesianische Pädagoge wird also in seinen Erziehungsmethoden den Geist der Freiheit umsetzen und seine Mahnungen stets mit Sanftmut und Liebe verbinden.

These 10: Salesianische Pädagogik geht von der Lebenswelt des Einzelnen aus, holt die Menschen dort ab, wo sie sind

Der salesianische Pädagoge ist also ständig auf der Suche nach Materialien, die bildlich und textlich griffig die Sachverhalte so erklären, dass der Rezipient die ihm zu vermittelnden Sachverhalte auch tatsächlich verstehen kann. Außerdem wird er auf die Art und Weise seines Lehrens besonderes Augenmerk legen, um jene Form zu finden, die am erfolgreichsten ist. Der Rezipient – egal ob Kind oder Erwachsener – und sein Verstehen stehen im Mittelpunkt der salesianischen Pädagogik. Jede Methode, die dem besseren Verstehen hilfreich ist, soll angewendet werden.

These 11: Salesianische Pädagogik legt Wert auf Bildung

Für den salesianischen Pädagogen ist also Wissensvermittlung keine Nebensache, sondern ein ebenso wichtiges Anliegen wie die Werteerziehung. Bildung gehört zu einem ganzheitlichen Menschsein dazu. Für Franz von Sales war klar: Damit ein Mensch wirklich zwischen gut und böse, wahr oder falsch unterscheiden kann, braucht er ein entsprechendes Wissen.

These 12: Salesianische Pädagogik ist eine betende Pädagogik

Eine salesianische Pädagogik wird ohne eine persönliche Gottesbeziehung, die sich auch im Gebet ausdrückt, wenn überhaupt nur sehr schwer realisierbar sein. Alle oben genannten Thesen haben ja diesen persönlichen Gott der Liebe, zu dem Franz von Sales in seiner Krise von Paris gefunden hat, zur Grundlage. Eine salesianische Pädagogik ist eine zutiefst betende Pädagogik, eine Pädagogik, die um den persönlichen Gott weiß, in dessen liebender Gegenwart all unser Handeln geborgen ist, und die auch die zu erziehenden Menschen dieser liebenden Obhut im Gebet anvertraut.

Langtext + Quellen: http://www.franz-sales-verlag.de/fsvwiki/index.php/Lexikon/Studien-KindseinMitDenKindern#toc13